Traumreisen für Kinder – innere Bilder als sicherer Ort

Veröffentlicht am 4. Januar 2026

Teile diesen Beitrag:

„Komm jetzt zur Ruhe.“
„Schalt mal ab.“
„Du musst schlafen.“

Für viele Kinder ist genau das schwer. Wenn der Tag voll war, Gefühle noch nachklingen oder der Körper unter Spannung steht, lässt sich Ruhe nicht erzwingen. Gedanken kreisen, der Körper bleibt wach, innere Bilder fehlen.

Traumreisen können Kindern helfen, einen sanften Übergang zu finden – vom Außen ins Innen, vom Tun ins Sein. Nicht über Druck oder Kontrolle, sondern über Vorstellungskraft, Sicherheit und Begleitung.

Warum Traumreisen für Kinder so wertvoll sind

Kinder denken nicht in abstrakten Konzepten. Sie denken in Bildern, Geschichten und Gefühlen. Traumreisen greifen genau diese natürliche Fähigkeit auf. Sie laden Kinder ein, mit der eigenen Fantasie einen Ort zu erschaffen, an dem sie sich sicher, ruhig und gehalten fühlen können.

Traumreisen können:

  • das Nervensystem beruhigen
  • den Körper sanft entspannen
  • Ängste und innere Unruhe reduzieren
  • Übergänge erleichtern (z. B. vor dem Schlafen oder nach aufregenden Situationen)

Dabei geht es nicht darum, Probleme zu lösen oder Gefühle „wegzumachen“. Traumreisen schaffen Raum – und manchmal reicht das schon.

Warum Realität der wichtigste Kompass ist

Traumreisen sind kein Allheilmittel. Nicht jedes Kind kann oder möchte sofort innere Bilder entstehen lassen. Manche Kinder hören einfach nur zu, andere bewegen sich dabei, wieder andere steigen zwischendurch aus.

Das ist völlig in Ordnung.

Realistisch bedeutet:

  • Fantasie entwickelt sich individuell
  • Zuhören reicht – Mitmachen ist kein Muss
  • innere Bilder dürfen wechseln oder fehlen

Traumreisen wirken nicht durch Perfektion, sondern durch Wiederholung und Sicherheit. Je weniger Erwartungen, desto leichter können Kinder sich darauf einlassen.

Typische Reaktionen von Kindern

Kinder reagieren sehr unterschiedlich auf Traumreisen. Manche tauchen sofort ein, andere kichern, stellen Fragen oder kommentieren laut. Manche Kinder wirken nach außen unruhig, obwohl sie innerlich sehr wohl folgen.

Auch das ist Regulation.

Wichtig ist, diese Reaktionen nicht zu bewerten. Traumreisen sind kein Leistungstest. Sie sind ein Angebot. Kinder dürfen entscheiden, wie nah sie kommen möchten.

Wie Traumreisen Selbstregulation unterstützen

Traumreisen helfen Kindern, vom Denken ins Spüren zu kommen. Die ruhige Sprache, die klaren Bilder und der gleichmäßige Rhythmus wirken regulierend auf das Nervensystem. Der Körper darf loslassen, während der Geist sich an etwas Angenehmes bindet.

Kinder lernen dabei:

  • ihre Aufmerksamkeit zu lenken
  • innere Zustände wahrzunehmen
  • zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln

Besonders wirksam sind Traumreisen, wenn sie mit Körperwahrnehmung verbunden werden – etwa durch Hinweise auf Atmung, Schwere oder Wärme.

Traumreisen kindgerecht gestalten

Damit Traumreisen für Kinder wirklich hilfreich sind, braucht es einen passenden Rahmen. Eine ruhige Stimme, langsames Sprechen und einfache, klare Bilder sind entscheidend. Die Sprache sollte wertfrei und einladend sein.

Bewährt haben sich:

  • Naturbilder (Wiese, Meer, Wald, Wolken)
  • vertraute, sichere Orte
  • offene Formulierungen („Vielleicht kannst du …“)
  • kurze Sequenzen statt langer Geschichten

Kinder sollten jederzeit die Möglichkeit haben, die Augen offen zu lassen oder sich zu bewegen. Sicherheit entsteht nicht durch Stillsein, sondern durch Wahlfreiheit.

Was sich langfristig verändern kann

Regelmäßige Traumreisen können Kindern helfen, innere Ruhe schneller wiederzufinden. Manche Kinder nutzen innere Bilder später selbstständig – etwa vor dem Einschlafen oder in stressigen Situationen.

Veränderungen zeigen sich oft leise:

  • schnelleres Einschlafen
  • weniger innere Unruhe
  • mehr Selbstberuhigung
  • größeres Vertrauen in die eigene Fantasie

Nicht jedes Kind spricht darüber. Und das ist völlig in Ordnung.

Fazit: Fantasie als Ressource

Traumreisen sind kein Trick, um Kinder ruhig zu machen. Sie sind eine Einladung, die eigene innere Welt als Ressource zu entdecken. Einen Ort zu finden, an dem nichts verlangt wird und alles sein darf.

Kinder müssen sich nicht anstrengen.
Sie müssen nichts „richtig“ machen.
Es reicht, wenn sie zuhören – oder einfach da sind.

Manchmal beginnt genau dort Entlastung:
in einem Bild,
in einer Stimme,
in einem Moment von innerer Sicherheit. 

Katherine Surtees - aus Krisen wachsen

Katherine Surtees

Katherine Surtees ist Expertin für mentale Gesundheit, Sporttherapie und integrative Psychotherapie. Mit einem Hintergrund in der Notfallmedizin und eigenen Erfahrungen mit gesundheitlichen Rückschlägen begleitet sie heute Jugendliche und junge Erwachsene.