Klettern bei Dyskalkulie – Rechnen mit dem ganzen Körper

Veröffentlicht am 28. Januar 2026

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Mathe kann richtig frustig sein – vor allem, wenn Zahlen einfach keinen Sinn ergeben.
Viele Kinder mit Dyskalkulie kämpfen nicht, weil sie sich „nicht genug anstrengen“, sondern weil ihr Gehirn räumlich und körperlich anders arbeitet.
Und genau da kommt Klettern ins Spiel – als Training ohne Zahlen, aber mit ganz viel Körpergefühl.

Was passiert bei Dyskalkulie eigentlich?

Dyskalkulie ist keine „Mathe-Schwäche“, sondern eine Verarbeitungsstörung, bei der das Gehirn Schwierigkeiten hat, Mengen, Größen, Abstände oder Reihenfolgen richtig einzuschätzen. Oft fehlt das innere Bild von „mehr“, „weniger“, „größer“, „kleiner“ oder „weiter“. Zahlen bleiben abstrakt – sie fühlen sich nicht greifbar an.

Genau deshalb hilft alles, was das Körperbewusstsein und die Raumorientierung stärkt.

Warum Klettern so wertvoll ist

Beim Klettern trainiert man automatisch das, was bei Dyskalkulie oft Schwierigkeiten bereitet – nur eben spielerisch und ohne Druck.

  • Räumliches Denken:
    Kinder müssen einschätzen, wo der nächste Griff ist, wie weit sie greifen oder treten können und in welchem Winkel sie stehen.
    Das stärkt die visuell-räumliche Wahrnehmung, die auch beim Rechnen mit Mengen und Größen wichtig ist.
  • Reihenfolge & Struktur:
    Eine Kletterroute folgt einem klaren Ablauf. Griff für Griff, Schritt für Schritt – genau wie beim Lösen einer Rechenaufgabe.
    Kinder erleben: Struktur hilft, ans Ziel zu kommen.
  • Körperkoordination:
    Beim Klettern wird die Körperwahrnehmung (Propriozeption) geschult – also das Gefühl, wo der Körper im Raum ist.
    Diese Fähigkeit hängt eng mit dem mathematischen Denken zusammen, weil sie Orientierung, Abstand und Richtung vermittelt.
  • Selbstwirksamkeit & Motivation:
    Klettern macht sichtbar, was Mathe oft unsichtbar macht: Ich kann etwas schaffen!
    Jeder erreichte Griff ist ein kleines Erfolgserlebnis – ein Gefühl, das man später auf das Lernen übertragen kann.

 Klettern als „Mathe ohne Zahlen“

Wenn Kinder beim Klettern lernen, Abstände einzuschätzen, Bewegungen zu planen und Fehler zu korrigieren, trainieren sie genau jene neuronalen Netzwerke, die sie auch beim Rechnen brauchen. Der Unterschied: Beim Klettern passiert das ganz natürlich – ohne Druck, ohne Bewertung, mit Spaß und Bewegung.

Eine Wand wird so zur dreidimensionalen Lernlandschaft, in der sich Denken, Fühlen und Handeln verbinden.

Fazit:

Klettern ist weit mehr als Sport – es ist ein Weg, über den Körper das Denken zu stärken. Gerade für Kinder mit Dyskalkulie bietet es die Chance, Selbstvertrauen, Orientierung und Struktur zu erleben – und das ganz ohne Zahlenstress.

Denn wer lernt, den eigenen Körper sicher durch den Raum zu bewegen, kann auch im Kopf leichter Wege finden.

Katherine Surtees - aus Krisen wachsen

Katherine Surtees

Katherine Surtees ist Expertin für mentale Gesundheit, Sporttherapie und integrative Psychotherapie. Mit einem Hintergrund in der Notfallmedizin und eigenen Erfahrungen mit gesundheitlichen Rückschlägen begleitet sie heute Jugendliche und junge Erwachsene.