ADHS und Legasthenie – Wenn Aufmerksamkeit und Lesen miteinander kämpfen

Veröffentlicht am 25. Februar 2026

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Auf den ersten Blick scheinen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und Legasthenie bzw. Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) zwei völlig unterschiedliche Phänomene zu sein. Die eine betrifft Aufmerksamkeit, Impulsivität und Selbstregulation, die andere das Erlernen von Lesen und Schreiben. Doch in der Praxis treten sie häufig gemeinsam auf, und das Zusammenspiel kann das Lernen erheblich erschweren.

Warum ADHS und LRS oft zusammen auftreten

Studien zeigen, dass Kinder mit ADHS häufig Schwierigkeiten im schulischen Bereich haben – insbesondere bei Aufgaben, die Konzentration und Durchhaltevermögen erfordern. Gleichzeitig ist LRS eine spezifische Lernstörung, die das Erkennen von Buchstaben, Lauten und Wörtern erschwert.

Die Kombination kann zu einer verstärkten Belastung führen, weil:

  1. ADHS die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit und Geduld einschränkt, die für das Üben von Lesen und Schreiben nötig ist.
  2. LRS zu Frust, Motivationseinbußen und Stress führt, was wiederum ADHS-Symptome verschärfen kann.

Kurz gesagt: ADHS und LRS verstärken sich gegenseitig.

Wie ADHS das Lesen und Schreiben beeinflusst

Kinder mit ADHS haben oft Probleme mit:

  • Konzentration auf längere Texte
  • Fehlerkontrolle beim Schreiben
  • Merken von Rechtschreibregeln und Buchstabenfolgen
  • Aufrechterhalten eines Lernrhythmus

Das bedeutet: Selbst wenn die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten an sich „normal“ entwickelt sind, können ADHS-bedingte Aufmerksamkeitsprobleme zu Fehlern, Flüchtigkeitsfehlern oder langsamerem Lernen führen.

Wie LRS ADHS-Symptome verstärken kann

Umgekehrt kann LRS den Alltag von Kindern mit ADHS zusätzlich belasten:

  • Frust und Scham über Leseschwierigkeiten führen zu emotionaler Dysregulation
  • Kinder ziehen sich zurück, zeigen Widerstand oder Vermeidungsverhalten
  • Die Selbstwirksamkeit sinkt, was Impulsivität und Ablenkbarkeit verstärken kann

So entsteht ein Teufelskreis: Aufmerksamkeitsprobleme erschweren das Lernen, Lernschwierigkeiten erhöhen Stress und emotionale Unruhe, was wiederum die ADHS-Symptome verstärkt.

Unterstützende Ansätze

Die gute Nachricht: Mit gezielter Förderung kann die Doppelbelastung deutlich gemildert werden:

  1. Individuelle Lernförderung: Lesetraining, phonologische Übungen, Rechtschreibstrategien
  2. ADHS-spezifische Strategien: kurze Lerneinheiten, Pausen, Struktur und klare Aufgaben
  3. Kombinierte Förderung: Aufgaben so gestalten, dass Aufmerksamkeit und Lesen gleichzeitig trainiert werden
  4. Emotionale Unterstützung: Erfolgserlebnisse, Lob und Motivation, um Frust zu reduzieren

Auch digitale Hilfsmittel wie Text-to-Speech-Programme oder Schreib-Apps können die Belastung verringern.

Fazit: ADHS und LRS verstehen – gemeinsam besser fördern

ADHS und LRS sind häufig eng miteinander verbunden, und ihre Wechselwirkungen können Lernen, Motivation und Selbstbewusstsein stark beeinflussen.
Wichtig ist, beide Aspekte zu erkennen und nicht nur die eine oder andere Störung isoliert zu behandeln.

Die richtige Unterstützung kombiniert Aufmerksamkeitstraining, Lernstrategien und emotionale Begleitung – und eröffnet Kindern die Chance, trotz ADHS und LRS erfolgreich zu lernen.

Katherine Surtees - aus Krisen wachsen

Katherine Surtees

Katherine Surtees ist Expertin für mentale Gesundheit, Sporttherapie und integrative Psychotherapie. Mit einem Hintergrund in der Notfallmedizin und eigenen Erfahrungen mit gesundheitlichen Rückschlägen begleitet sie heute Jugendliche und junge Erwachsene.